Wäre eine allgemeine Dienstpflicht von 6 bis 10 Monate für junge Menschen nicht sinnvoll?
Eine Dienstpflicht wäre in allen Teilen der Gesellschaft möglich. Z.B. soziale Bereiche, Feuerwehr, Krankenhäuser, Zivilschutz, Verteidigung, Rettungsdienste, Grundversorgung (Wasser, Strom IT, usw). Die Ausbildung sollte Fähigkeiten vermitteln wie Führerschein für PKW oder LKW, Rettungssanitäter, Feuerbekämpfung, Pflege von Verletzten und Bedürftigen sowie handwerkliche Grundkenntnisse. Alle diese Dinge sind im Verteidigungs-- und Katastrophenfall für das Überleben unserer Gesellschaft wichtig. Bürger aus der älteren Generation die diese gesellschaftlichen Beitrag nicht mehr leisten können, könnten durch eine allgemeine Abgabe denn jungen Leuten durch eine vernünftige Bezahlung Anerkennung zollen.
Der Ruf nach einer allgemeinen Wehrpflicht ist zu einseitig und deckt die kommenden Anforderungen für eine robuste Gesellschaft nicht ab.

Sehr geehrter Herr M.-S.,
vielen Dank für Ihre Frage und dafür, dass Sie Ihre Ideen mit mir teilen.
Ich bin weiterhin der Meinung, dass mit einer Reaktivierung der allgemeinen Wehrpflicht als auch mit der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht komplexe rechtliche Fragen und sehr hohe Kosten verbunden wären. Die Einführung wäre außerdem ein fundamentaler Eingriff in die Grundrechte, Freiheiten und Lebensplanung von hunderttausenden jungen Menschen. Er steht außerdem im scharfen Kontrast zu der Tatsache, dass es bisher auch in der Ampel-Regierung nicht gelungen ist, genug Plätze für den zivilen und militärischen Freiwilligendienst anzubieten. Es gibt mehr Menschen, die sich einbringen wollen, als es Möglichkeiten gibt. Dort liegt die Herausforderung.
Wir brauchen ganz sicher schnelle und pragmatische Lösungen, um den Personalbedarf der Bundeswehr und der Zivildienste zu decken. Deshalb setzen wir uns mit Blick auf die Bundeswehr dafür ein, den militärischen Freiwilligendienst zu stärken, die Abbrecher:innenquoten zu senken und die Reserve auszubauen. Das könnte mehr junge Menschen motivieren, sich mit den akuten Bedrohungen zu beschäftigen und sich aktiv für die Bundeswehr zu entscheiden.
Ich sehe ebenfalls Nachholbedarf bei den (Freiwilligen-)Diensten für den Bevölkerungs- und Zivilschutz. Deshalb setze ich mich für eine Stärkung des Bundesfreiwilligendienstes ein. Wir Grüne wollen ein Recht auf einen Freiwilligendienst verankern und Plätze im Bundesfreiwilligendienst entsprechend ausbauen und verlässlich finanzieren.
Viele Menschen – ob jung oder alt, mit oder ohne Behinderung – möchten sich im Freiwilligendienst engagieren und wir müssen die Türen dafür weiter aufmachen. Dafür wollen wir auch die Bedingungen für Freiwillige verbessern. Wir wollen für eine faire Vergütung und umfassende Informationsmöglichkeiten, damit jede:r, der sich einbringen will, einen Platz findet der zu ihm*ihr passt.
Freiwilligendienstleistenden tragen entscheidend zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen bei. Sie stärken unsere Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es ist an der Zeit, dies anzuerkennen und vielen jungen Menschen einen Freiwilligendienst zu ermöglichen.
Angesichts der Bedrohungen für unsere Demokratie - von innen und außen - wird die Resilienz und Wehrhaftigkeit unserer Gesellschaft auch in der nächsten Wahlperiode meine Priorität sein.
Mit freundlichen Grüßen
Sara Nanni