Frage von Klaus R. •

Wie wollen Sie die Menschen in Ostdeutschland erreichen?

Lieber Frau Göring-Eckardt,

Sie haben sich für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten beworben. Laut Ihrer eigenen Aussage begründeten Sie ihre Bewerbung unter anderem mit ihrer Herkunft aus Ostdeutschland. „Wir sollten als Partei und Fraktion diesen Teil unseres Landes nicht den rechten Scharfmachern überlassen“.

https://www.berliner-zeitung.de/news/claudia-roth-will-bundestags-vizepraesidentin-werden-gegen-nouripour-und-goering-eckardt-li.2307765

Auch wenn Sie aus Ostdeutschland stammen und einen hohen Bekanntheitsgrad durch zahlreiche Auftritte in Funk und Fernsehen und häufige Erwähnung in der Printpresse haben, haben Sie als Direktkandidatin in Ihrem Wahlkreis gerade einmal 3,1 % der Stimmen bekommen.

Wie wollen Sie die Menschen in Ostdeutschland erreichen, wenn diese offensichtlich durch Sie gar nicht vertreten werden wollen?

Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet

Klaus R.

Portrait von Katrin Göring-Eckardt
Antwort von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr R.,

vielen Dank für Ihre Frage an Katrin Göring-Eckardt. 

Katrin Göring-Eckardt ist darauf ausführlich in ihrer schriftlichen Bewerbung für das Votum als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages eingegangen. Sie schriebt: „Wir alle kommen aus einem harten Wahlkampf, in dem uns der Gegenwind aus vielen Richtungen entgegenschlug. Wie in den anderen ostdeutschen Bundesländern wurde die AfD in meiner Heimat Thüringen stärkste Kraft. Rechte und menschenfeindliche Haltungen befinden sich dort längst nicht mehr in irgendeiner Ecke. Sie sickern immer tiefer in die Breite der Gesellschaft, in das Gespräch am Gartenzaun, am Arbeitsplatz. Im Wahlkampf haben die Menschen in Ostdeutschland und ihre Lebensrealitäten kaum eine Rolle gespielt. Wir sollten als Partei und Fraktion diesen Teil unseres Landes nicht den rechten Scharfmachern überlassen. Sie haben viele von uns angegriffen, bedroht, beschimpft, auch mich. Auch deswegen will ich nicht klein beigeben. Und ich will für unsere bündnisgrüne Fraktion im Präsidium für die vielen aufrechten und engagierten Menschen stehen, die dort leben und gestalten. Und mich weiter darum mühen, dass wir ein Land sind, egal woher wir kommen, wie alt wir sind, wen oder wie wir lieben. 

Was wir seit Jahren in Ostdeutschland erleben, so fürchte ich, könnte ein Vorbote für ganz Deutschland sein. Denn kratzen wir an der Oberfläche und blicken auf die Zweitplatzierten im Westen färben sich viele schwarze Wahlkreise blau ein. Forschungen -legen nahe, dass die Spaltung auch nicht einfach zwischen Ost und West verläuft, sondern oft auch zwischen Dorf und Stadt. Den Osten, die ländlichen Räume, sollten wir als Partei im Blick behalten, Unterschiede wahrnehmen, passende Antworten geben. Ich hoffe inständig, dass wir es in der Hand haben, in die Hand nehmen, diese und -keine andere Spaltung auf Dauer zuzulassen. Ich habe als Ostdeutsche in der Diktatur in einer Revolution gekämpft, die zum Glück friedlich blieb. Ich kämpfe auch jetzt mit Allem was ich habe dafür, dass sich unser Land nicht in dunkle Zeiten zurückentwickelt. Ein Land, in dem alle selbstverständlich einen Platz haben. Frauen und Männer, Queers, Ost- und Westdeutsche, Menschen mit Einwanderungsgeschichte, Geflüchtete, jung und alt, vor allem zusammen.“

Hier können Sie die ganze Bewerbung noch einmal nachlesen: https://goering-eckardt.de/bewerbung-vizepraesidentin/

Mit herzlichen Grüßen

Büro Katrin Göring-Eckardt

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Katrin Göring-Eckardt
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN