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Hagen Seifert
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Frage von Tobias H. •

Frage an Hagen Seifert von Tobias H. bezüglich Gesundheit

Guten Tag

Mich würde interresieren, welchen Weg die Piratenpartei in Bezug auf das akutelle Gesundheitssystem (Zusatzbeiträge bei fast allen Kassen und trotzdem wirtschaften in die eigene Tasche) und die Bevölkerungsversorgung (Finanzierung von Krankenhäusern, Unterstützung von Rettungsdiensten,...)gehen möchte.
Zudem würde mich interresieren, ob die Piratenpartei auch in Hinsicht "sozialer Gerechtigkeit" (der eine Verdient 3500 Brutto, ein anderer 700 Brutto) einen Plan hat.

Vielen dank und mit freundlichen Grüßen
Tobias

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Antwort von
PIRATEN

Hallo Tobias,

deine Fragen zur Gesundheitspolitik der Piratenpartei beziehen sich auf die Finanzierung des Gesundheitswesen. Dies ist leider ein Thema des Bundes und kann durch Baden-Württemberg nur indirekt beeinflusst werden.

Auf Bundesebene erarbeitet unsere AG Gesundheit unter der Leitung von Dr. Dr. Norman von Sternberg und Markus Baumgärtner zusammen mit allen Piraten und interessierten Bürgern Konzepte für ein zukunftsweisendes Gesundheitssystem. Falls du dich dort einbringen möchtest, bist du herzlichst eingeladen an den Diskussionen und der Ausarbeitung mitzuwirken. Das geht bei uns auch ohne Mitgliedschaft.

Ich persönlich war viele Jahre hauptberuflich und ehrenamtlich im Gesundheitswesen tätig. Ich kenne beide Systeme, also die gesetzliche und private Krankenversicherung, aus Sicht des Patienten und aus Sicht des Dienstleisters. In meinen Augen gibt es zwei markante Stellen, an denen wir dringend eingreifen müssen: zum Einen bei den Pharmakonzernen und den Preisen für Medikamente, zum Anderen bei der Anzahl der gesetzlichen Versicherungen. Letzteres ist ein gewachsenes System, in dem viele Menschen arbeiten. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Allerdings ist schon jetzt eine zunehmende Verschmelzung von Krankenkassen und somit eine Bereinigung des Marktes zu spüren. Allerdings möchte ich nicht auf die Mechanismen des freien Marktes hoffen, solange es steigende Beiträge bei sinkender Leistung gibt.

Ich bevorzuge daher eine gesetzliche Pflichtversicherung für alle Menschen in Deutschland. Jeder, egal was er verdient, muss in diese Versicherung einzahlen. Darüber hinaus können die bisherigen Krankenkassen Zusatztarife anbieten. Diese Reform bringt auf zwei Arten Geld in das Gesundheitssystem. Die Kosten für die Verwaltungsapparate der gesetzlichen Krankenkassen werden nicht mehr durch die Beiträge, sondern über die Zusatzversicherungen getragen. Der wichtigere Aspekt sind allerdings die Beiträge der Besserverdienenden, die bisher die Wahl haben, ob sie in das gesetzliche System einzahlen möchten oder nicht.

Deine zweite Frage ist schon deutlich schwerer zu beantworten. Eine soziale Gerechtigkeit im Sinne von „gleiches Geld für alle“ erscheint mir nicht sinnvoll und auf Dauer nicht haltbar. Die freie Entfaltung jedes Menschen muss ihm auch die Möglichkeit geben durch mehr oder weniger Leistung für die Gesellschaft, mehr oder weniger Anerkennung zu erhalten. Dabei ist es in meinen Augen egal, ob es sich um Lob und Dank für eine ehrenamtliche oder Lohn bzw. Gehalt für eine hauptamtliche Tätigkeit handelt.

In letzter Zeit wird häufig im Zusammenhang mit der Diskussion über die Leiharbeit das Motto "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" plakatiert. Diese Forderung ist zu allgemein und in meinen Augen falsch. Das Motto muss lauten "Gleiches Geld für gleiche Arbeitsqualität". Nur weil zwei Menschen die gleiche Arbeit machen, muss das Ergebnis nicht das gleiche sein. Noch krasser werden die Unterschiede natürlich bei verschiedenen Berufen. Schwere Arbeit, sei sie nun körperlicher, geistiger oder psychischer Art, muss höher anerkannt werden als leichte Arbeit.

Für mich bedeutet soziale Gerechtigkeit im Zusammenhang mit der Anerkennung für Leistung also, dass es durchaus Unterschiede geben darf, so lange es sich um unterschiedliche Leistung oder Qualität handelt. Andere Gründe, z. B. das Geschlecht oder die Herkunft, darf es nichts geben.

Viele Grüße,
Hagen Seifert