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Cem Özdemir
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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Frage von Julian V. •

Herr Özdemir, beunruhigt Sie die hochaggressive Stimmung radikaler Tierschützer? Haben Sie keine Angst, dass solche Extrempositionen die Gesellschaft weiter spalten könnten? Wie sehen Sie das?

Als Halter von Reptilien bzw. Spaltenschildkröten beobachte ich mit wachsender Sorge, wie radikale Tierschutzgruppen zunehmend aggressiv agieren und versuchen, durch emotional aufgeladene Kampagnen ihre extremen Positionen durchzusetzen. Dabei scheint es weniger um den tatsächlichen Schutz von Tieren zu gehen, sondern vielmehr darum, die Haustierhaltung generell infrage zu stellen. Statt die Gesellschaft weiter zu spalten, wäre es meiner Meinung nach zielführender, sicherzustellen, dass das nötige Wissen für die artgerechte Haltung "aller" Tiere vermittelt wird. In diesem Zusammenhang könnte ein „Sachkundenachweis Light“ sinnvoll sein, etwa in Form eines Nachweises, dass man über die entsprechende Fachliteratur verfügt oder diese erworben hat. Deutschland braucht jedoch keine weitere Bürokratie, sondern praktische, umsetzbare Lösungen.

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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Auf wahrgenommene Missstände hinzuweisen, Mitstreiter für eine Sache zu finden, Meinungen vorzutragen und dies auch in einem öffentlichen Format tun zu können, ist ein wichtiger Grundbaustein der Meinungsbildung und Diskussionskultur in unserer Gesellschaft. Als Politiker werde und wurde ich auch in der Vergangenheit schon regelmäßig mit extremen Meinungen und Positionen konfrontiert, die nicht immer meiner eigenen entsprechen und teils radikale Züge aufweisen. Ich bin nicht dafür bekannt, in solchen Situationen die Auseinandersetzungen zu scheuen. Im Gegenteil: ich biete gerne die Möglichkeit zu einem Gespräch an, um die Haltung meines Gegenübers besser zu verstehen und meine eigene erklären zu können. Mein Anspruch ist es aber, zwischen teilweise sehr gegensätzlichen Meinungen zu vermitteln und Maß und Mitte zu wahren. Voraussetzung hierfür ist jedoch stets eine friedliche Auseinandersetzung. Radikalität in Form von illegalen Praktiken wie beispielsweise Hausfriedensbruch oder Zerstörung von Eigentum kann nicht gebilligt werden. Solange die Grenzen der Legalität gewahrt werden, muss unsere Demokratie andere Meinungen aushalten, beispielsweise auch die Ablehnung der Haustierhaltung im Generellen – auch wenn ich es selbst völlig falsch finde.

Der von Ihnen angesprochene Sachkundenachweis besteht bereits in einigen Bundesändern für sog. Listenhunde oder für Hundehalter, die dies im gewerblichen Rahmen ausüben. Eine Ausweitung auf alle Tierarten würde vorerst zu einem erhöhten bürokratischen Aufwand führen, lohnt aber sicher eine weitere Diskussion.