Lieber Herr Tessun, ich möchte die ÖDP bei der Bundestagswahl wählen aber ich brauche noch driftige Argumente, warum es Sinn macht eine kleine Partei zu wählen - mit den Großen tue ich mir sehr schwer
... aber man hört halt immer wieder das Argument, dass nur die Großen in der jetzigen Situation einen Unterschied machen können.
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen!

Liebe Frau K.,
danke für Ihre Frage! Es gibt viele gute Gründe, einmal anders zu wählen. Ein oft zitierter Satz besagt: Die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Wer immer wieder die großen Parteien wählt, bekommt genau das, was wir seit Jahren erleben – ohne wirkliche Veränderung.
Politische Vielfalt für echte Alternativen
In einer Demokratie ist politische Vielfalt essenziell. Kleine Parteien wie die ÖDP bringen neue Perspektiven in die politische Debatte und setzen Themen, die von den großen Parteien oft vernachlässigt werden. Sie entwickeln innovative Konzepte und stoßen gesellschaftliche Veränderungen an. Ein gutes Beispiel ist die ÖDP selbst: Obwohl sie nie im Bundestag oder Landtag vertreten war, hat sie bereits bedeutende Gesetze auf den Weg gebracht, darunter:
- Das beste Artenschutzgesetz der Welt (Bayern)
- Die Abschaffung des Bayerischen Senats
- Das härteste Nichtraucherschutzgesetz Deutschlands
Jede Stimme zählt – auch finanziell
Damit solche Erfolge möglich sind, braucht es finanzielle Unterstützung. Die ÖDP arbeitet seit ihrer Gründung firmenspendenfrei und ist daher auf die Parteienfinanzierung angewiesen. In Deutschland erhalten Parteien staatliche Gelder, wenn sie einen bestimmten Stimmenanteil erreichen. Jede einzelne Stimme trägt also direkt zur Existenz und Arbeitsfähigkeit der Partei bei – auch wenn der Einzug in den Bundestag nicht realistisch erscheint.
Einfluss auch ohne Regierungsbeteiligung
Auch ohne Bundestagsmandate kann eine kleine Partei auf kommunaler und regionaler Ebene viel bewirken. Die ÖDP ist in verschiedenen Städten und Gemeinden mit Mandaten vertreten und setzt sich dort aktiv für Umweltschutz, nachhaltige Wirtschaft und Bürgerbeteiligung ein. Zudem übernehmen große Parteien oft die Forderungen kleinerer Gruppierungen, wenn diese zunehmend Unterstützung in der Bevölkerung finden. Die Grünen sind ein Beispiel dafür – viele ihrer Umweltpolitiken wurden erst durch anhaltenden gesellschaftlichen Druck zum Mainstream.
Eine konstruktive Form der Protestwahl
Wer mit der aktuellen Politik unzufrieden ist, hat zwei Möglichkeiten: Nicht wählen oder eine bewusste Alternative unterstützen. Statt aus Frustration gar nicht zu wählen oder populistischen Bewegungen wie der AfD eine Stimme zu geben, kann man mit einer kleinen, programmatisch fundierten Partei wie der ÖDP ein klares Zeichen setzen. Man fordert damit eine andere Politik, ohne auf unrealistische oder destruktive Lösungen zurückzugreifen.
Auch wenn Parteien außerhalb der großen fünf in Summe zunehmend zweistellige Wahlergebnisse erzielen, wächst der Druck auf das etablierte System. Dies könnte langfristig sogar die Debatte über die Fünf-Prozent-Hürde neu entfachen.
Fazit: Keine Stimme ist verloren!
Eine Stimme für eine kleine Partei ist keineswegs verschenkt. Sie stärkt die Demokratie, bringt neue politische Ideen ein, übt Druck auf größere Parteien aus und kann vor allem auf kommunaler Ebene konkrete Veränderungen bewirken. Wer eine nachhaltigere, gemeinwohlorientierte und bürgernahe Politik möchte, kann mit seiner Stimme für die ÖDP einen wichtigen Beitrag leisten.
Ich hoffe, dass Ihnen diese Argumente weiterhelfen! Ich würde mich sehr über Ihre Stimme freuen.
Viele Grüße,
Manuel Tessun