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Frage von Jochen E. •

Frage an Manfred Kolbe von Jochen E. bezüglich Gesundheit

Sehr geehrter Herr Kolbe,

Sie werden in der heutigen Ausgabe der Leipziger Volkszeitung mit den Worten zitiert:

"......teure Sportunfälle wie beim Fallschirmspringen müssen selber bezahlt werden und die gesetzliche Krankenversicherung kann auch nicht jedem Kettenraucher eine Lungentransplantation finanzieren".

Diese Äußerung halte ich persönlich für sehr bedenklich. Unabhängig davon dass 2008 gesamt 270 Lungen transplantiert wurden und für Raucher generell eine Kontrainduktion zur Lungentransplantation vorliegt, spiegelt diese Darstellung kaum die Realität wieder.

Entspricht es Ihren Vorstellungen die Ökonomisierung des Individuums einer solidarisierten Gemeinschaft vorzuziehen? Wenn ja wie wollen Sie sicherstellen dass ehtische Grenzen nicht überschritten werden, wie verhindern, dass die Diskussionen sich nicht irgendwann auf Behinderte oder chronisch Kranke ausweiten unabhängig des Verursacherprinzips?

Im Übrigen habe ich mich nach Ihren Äußerungen heute entschieden als derzeit freiwillig Versicherter in der gesetzlichen Krankenkasse in eine private Kasse zu wechseln. Aus Gründen der Eigenverantwortung.

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Antwort von
CDU

Sehr geehrter Herr Eckhardt,

zunächst darf ich Ihnen für Ihre Nachricht und Fragen via www.abgeordnetenwatch.de, die Thematik Eigenverantwortung in der Gesundheitsvorsorge betreffend, bedanken.

Grundsätzlich vertrete ich die Auffassung, dass sich unser solidarisches Gesundheitssystem bewährt hat und auch in Zukunft fortbestehen muss. Eine schwere Krankheit oder einen Unfall hat grundsätzlich niemand alleine zu verantworten oder trägt daran Schuld. Das Risiko und die Kosten der Behandlung müssen wir deshalb gemeinsam, über unser solidarisches Gesundheitssystem decken.

Unser solidarisches Gesundheitssystem werden wir bei weiterem medizinischen Fortschritt und in einer weiter alternden Gesellschaft aber nur dann zukunftsfest machen, wenn wir nicht nur über die Einnahmenseite, sondern auch über die Ausgabenseite nachdenken. Hier fragen sich auch viele andere Kollegen zunehmend, ob es gerechtfertigt ist, dem in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversicherten Normalbürger die Kostentragung für von anderen eingegangene Sonderrisiken aufzubürden. Warum soll die Verkäuferin mit 1.000 EUR brutto im Monat mit ihren Versicherungsbeiträgen die teuren Behandlungskosten für Tropenkrankheiten oder Unfälle beim Fallschirmspringen bezahlen, obwohl sie sich niemals eine Tropenexpedition oder das Fallschirmspringen leisten kann? Diese Fälle sind klar abgrenzbar und ich meine, dass wer teure Sonderrisiken eingeht, diese auch noch gesondert versichern muss.

Unser Gesundheitssystem wird auch ohne eine stärkere Eigenverantwortung der Versicherten die medizinische und demographische Entwicklung nicht verkraften. Hier wird es höchste Zeit, dass alle Versicherten endlich einmal durch den Erhalt einer Rechnungskopie erfahren, was ihre Behandlung kostet, auch wenn die Kasse sie bezahlt. Ohne verantwortungsbewusstes Handeln der Versicherten wird es nicht gehen und wer grob dagegen verstößt, muss bei eindeutigem Nachweis auch im zumutbaren Umfang finanziell die Konsequenzen tragen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Manfred Kolbe