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Joachim Pfeiffer
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Frage von Karin S. •

Frage an Joachim Pfeiffer von Karin S. bezüglich Gesundheit

Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer,
wie stehen Sie zur Widerspruchslösung bei Organspenden? Die Tatsache, dass viele Menschen viel zu lange auf ein Spenderorgan warten müssen und es oft zu spät ist, sollte zu der Überlegung führen, ob es Lösungen gibt. In meiner Heimat Österreich gibt es die Widerspruchslösung, die es allen ermöglicht zu Lebzeiten eine Organentnahme abzulehnen. Dadurch sind viel mehr Organe verfügbar und können Leben gerettet werden.

Mit freundlichen Grüßen

K. S.

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Antwort von
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Sehr geehrte Frau S.,

nach Berichten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat sich die Organspende im vergangenen Jahr erneut rückläufig entwickelt. 2017 gab es demnach bundesweit 797 Organspender, 60 weniger als im Jahr zuvor (2016: 857). Die Anzahl der gespendeten Organe ist um 9,5 Prozent auf 2.594 Organe gesunken. Durch den grenzüberschreitenden Organaustausch im Eurotransplant-Verbund liegt die Zahl der transplantierten Organe in Deutschland jährlich etwas über der Summe der entnommenen Organe. Die niedrigen Organspendezahlen in Deutschland sind nicht zuletzt auf den Vertrauensverlust aufgrund der Unregelmäßigkeiten bei Wartelisten vor einigen Jahren zurückzuführen. Diese bundesweite Entwicklung ist mit Sorge zu betrachten und wir als Politikerinnen und Politiker sind in der Tat aufgerufen, hier Lösungen zu finden.

Ein Blick auf die weltweite Situation zeigt, dass es unterschiedliche Lösungen mit unterschiedlichen Erfolgen gibt. So haben z.B. die USA, wo es die Zustimmungslösung gibt, hohe Organspendezahlen. In Deutschland konnte durch verschiedene Maßnahmen einzelner Bundesländer trotz der Entscheidungslösung die Zahl der Organspenden erhöht werden. In Schweden haben sich die Organspendezahlen trotz Einführung der Widerspruchslösung nicht verbessert. Somit kann man nicht ohne weiteres sagen, die Widerspruchslösung würde automatisch zu besseren Organspendezahlen führen und die Zustimmungslösung würde schlechte Organspendezahlen mit sich bringen. Dies legt vielmehr den Schluss nahe, dass die schlechten Organspendezahlen auf Probleme im Prozess der Organspende zurückzuführen sind. Dies wurde auch in Gesprächen mit dem Deutschen Ethikrat, der DSO sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) bestätigt.

Die Arbeitsgruppe Gesundheit der Unionsfraktion hat deshalb im Juli 2018 ein Positionspapier mit diversen Lösungsvorschlägen vorgelegt, darunter eine Stärkung der Transplantationsbeauftragten der Krankenhäuser, eine Änderung der Finanzierungspauschalen, Verbesserungen bei den prozessualen Abläufen, Maßnahmen zur besseren Aufklärung der Bevölkerung. Letztlich brauchen wir eine breite politische und gesellschaftliche Anerkennung der Organspende als Ausdruck gelebter Solidarität – gewissermaßen eine Kultur der Organspende.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB