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Joachim Pfeiffer
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Frage von Ralf S. •

Frage an Joachim Pfeiffer von Ralf S. bezüglich Verbraucherschutz

Lieber Herr Dr. Pfeiffer,

ich möchte Sie bitten, sich für die Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel einzusetzen, notfalls als deutscher Alleingang.
In Großbritannien gibt es die Ampel schon: Die Farben Rot ("nur ab und zu essen"), Gelb und Grün ("eine gesunde Wahl") ermöglichen den Verbrauchern beim Einkauf einen schnellen Vergleich der Gehalte an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz.
Die Pläne Ihres Kollegen Horst Seehofer und der EU-Kommission sehen stattdessen vor, auf den Verpackungen verwirrende Zahlenangaben ohne Vergleichsmöglichkeiten abzudrucken. Damit stehen sie ganz im Dienste der Lebensmittelindustrie, die so die tatsächlichen Gehalte der Nährstoffe verschleiern will.

Eine deutliche Anzeige wäre für Verbraucher sinnvoller.

Wie stehen Sie dazu?

Herzliche Grüße,
Ralf Seybold

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Antwort von
CDU

Sehr geehrter Herr Seybold,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie bitten mich um meine Einschätzung der sogenannten Ampelkennzeichnung für Lebensmittel.

Für denjenigen, der sich nicht tiefergehend mit Ernährungsfragen beschäftigt, klingt dieses System der Einteilung in Rot, Gelb und Grün tatsächlich bestechend, weil die Lebensmittelklassifzierung auf den ersten Blick erkennbar ist und einfach und verständlich erscheint. Wie fast immer und überall ist es aber nicht ganz so einfach, denn die Ampelkennzeichnung kann den Verbraucher auch schnell in die Irre führen.

Eine Ampelkennzeichnung teilt Lebensmittel in gute und schlechte Lebensmittel ein. Eine Ampelkennzeichnung suggeriert dem Verbraucher damit, er könne sich ohne weiteres Nachdenken gesund ernähren, wenn er nur möglichst viele Produkte mit grünen Punkten wähle. Gutes Olivenöl z.B. wäre dann aber auf der roten Liste. Prof. Dr. Peter Stehle, Ernährungsphysiologe von der Universität Bonn, betont: "Es gibt keine guten oder schlechten Lebensmittel, sondern nur ein ausgewogenes oder unausgewogenes Ernährungsverhalten". Zudem sind nachvollziehbare Kriterien für eine Einteilung in Rot/Gelb/Grün schwer zu definieren. Ein Speiseplan, der ausschließlich Lebensmittel mit einem grünen Punkt enthält, kann dennoch ungesund sein und somit zu einer Fehlernährung führen. Objektiv vergleichende Bewertungen von Qualitäten sind nur innerhalb einer Produktgruppe sinnvoll und realisierbar. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beurteilt den Ampelansatz kritisch: "Das Ampelsystem ist keine optimale Lösung. Eine Aussage darüber, ob sich jemand gesund ernährt oder nicht, trifft das System nicht. Esse ich beispielsweise eine Tafel Schokolade, deren Verpackung eine rote Ampel ziert, lebe ich nicht ungesund, wenn ich mich sonst ausgewogen ernähre." (Antje Gahl von der DGE, TAZ vom 03.01.2007).

Die britische Handelskette Tesco, die das Ampelsystem getestet hatte, ist inzwischen wieder von der Ampelkennzeichnung abgerückt. Auch dort hat man erkannt, dass die Ampelkennzeichnung Lebensmittel zu Unrecht in gute und schlechte Lebensmittel einteilt und für den Verbraucher keine Hilfe, sondern eher irreführend ist. Der Einsatz von Farben bei der Nährwertdarstellung ist trügerisch, wenn wie beim Ampelsystem Ernährungszusammenhänge unwissenschaftlich reduziert und den Verbrauchern gesunde Ernährung suggeriert werden.

Statt einer so stark vereinfachenden Kennzeichnung wie dem Ampelsystem sollte dem Verbraucher durch eine erweiterte Nährwertkennzeichnung eine informierte Kaufentscheidung ermöglicht werden. Studien haben gezeigt, dass die Mehrheit der Verbraucher es bevorzugt, Informationen über den Kaloriengehalt ihrer Lebensmittel und Getränke zu bekommen, da es ihnen hilft, Energiezufuhr und Energieverbrauch im Gleichgewicht zu halten. Besonders wichtig sind meiner Einschätzung nach die Nährwertangaben der sogenannten Big 4: Energie, Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett, ergänzt um die Information, wieviel Prozent des Richtwertes der empfohlenen Tageszufuhr von Energie durch die Portion abgedeckt werden.

Dem Verbraucher darf nicht Glauben gemacht werden, dass er allein durch eine Ernährung wie z.B. nach der Ampelkennzeichnung genug für seine Gesundheit tue. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein gesunder Lebensstil nicht nur aus ausgewogener Ernährung besteht, sondern die gesamten Lebensumstände einbeziehen muss. Der starke Anstieg übergewichtiger Kinder und Jugendlicher beispielsweise ist nicht einfach das Produkt falscher Ernährung, sondern resultiert auch aus einem im Vergleich zu früher viel geringeren Bewegungsumfang. Ernährungsaufklärung, Bewegungsförderung, verständliche Nährwertinformationen und die Wahlfreiheit aus einem breit gefächerten Lebensmittelangebot sind zielführende Ansätze zur Vermeidung von Übergewicht, nicht nur bei Kindern und Jugendlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB