Welche konkreten Schritte müssen im Agrarsektor getan werden, damit dieser auch seinen spürsamen Beitrag zum Klima leistet und wie kann unsere Landwirtschaft in S-H zukunftsfähig gemacht werden?
Sehr geehrte Frau Schmachtenberg,
Extremwetterereignisse werden uns laut Wissenschaft immer häufiger treffen und auch uns im Norden. In den Medien ist zu sehen, dass viele Äcker von Landwirten und damit auch die Ernten zerstört wurden. Bei uns im Norden ist es vielleicht ein Starkregen, Hagelereignisse oder extreme Hitze, die unseren Landwirten das Leben schwer machen wird.
Bei den Bauernprotesten standen Sie eng an der Seite der Landwirte und die Forderungen – sowie weitere – wurden seitens der Politik den Landwirten zugestanden, vor allem klimaschädliche und umweltschädliche Forderungen (kein Anreiz Diesel einzusparen, weniger Biodiversität etc.).
Vor dem Hintergrund der aktuellen Wettererignisse, die auf die Klimaerwärmung zuzuführen sind:
Welche konkreten Schritte müssen im Agrarsektor getan werden, damit dieser auch seinen erheblichen Beitrag leistet (ca. 13 % der CO2-Emission in SH) und wie kann unsere Landwirtschaft zukunftsfähig gemacht werden?
Danke und viele Grüße

Sehr geehrter Herr D.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und entschuldigen Sie bitte die verspätete Antwort.
Wie Sie bereits richtig anmerken, stehen wir vor zwei wesentlichen Herausforderungen: Zum einen erfordert der Klimawandel, mit seinen steigenden Temperaturen, zunehmenden Starkwetterereignissen und höherer Variabilität, geeignete Klimaanpassungsmaßnahmen. Zum anderen müssen wir CO2 einsparen, um schnellstmöglich klimaneutral zu werden und so den Klimawandel abzuschwächen.
Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass bereits einige Sektoren im Vergleich zum Zeitraum 2017-2019 weitere Emissionsminderungen erzielt haben. So konnte die Landwirtschaft ihre Emissionen laut der Schätzung von 2023 um 0,4 Mio. t verringern. Dies ist auf freiwillige Maßnahmen, Veränderungen in der Agrarstruktur und neue rechtliche Rahmenbedingungen zurückzuführen. Seit 2019 sind die Treibhausgasemissionen im Landwirtschaftssektor in Schleswig-Holstein bereits rückläufig, und es bestehen weiterhin Optimierungspotenziale, insbesondere in der Tierhaltung und im Pflanzenbau. Diese müssen weiter unterstützt werden, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen.
Bereits zu Beginn dieser Legislaturperiode hat der Landtag die Landesregierung mit der Erstellung einer Klimawandelanpassungsstrategie beauftragt. Ziel ist es, konkret zu erarbeiten, wie das Land auf die genannten Herausforderungen reagieren kann. Darüber hinaus wurde im Juni 2023 das Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft gegründet. Dieses Zentrum soll Wissenschaft, Praxis und Politik miteinander verknüpfen, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis übertragen und dabei helfen, Lösungen zu entwickeln, um CO2-Emissionen auch im Landwirtschaftssektor weiter zu reduzieren.
Das Zentrum fördert insbesondere Forschungs- und Demonstrationsvorhaben, die klimafreundliche Produktionsprozesse unterstützen und gleichzeitig die wirtschaftliche Sicherheit der Betriebe gewährleisten. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen im Pflanzenbau und in der Tierhaltung sowie die Erprobung alternativer Bewirtschaftungsformen auf nassen Moorböden. Eine aktuelle Pressemitteilung zu dem Kompetenzzentrum finden Sie unter folgendem Link: Cornelia Schmachtenberg: Kompetenzzentrum Klimaeffiziente Landwirtschaft bringt Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen
Des Weiteren wurde im vergangenen Jahr das Klimaschutzprogramm der Landesregierung veröffentlicht, das auf den Maßnahmenplänen der einzelnen Sektoren basiert. Auch die Landwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil dieses Programms. Mit verschiedenen konkreten Schritten wollen wir den Agrarsektor in Schleswig-Holstein noch klimafreundlicher gestalten. Hierzu zählen unter anderem Humusaufbau, innovative Fütterungsmethoden, die Reduzierung von Stickstoffdünger, Precision Farming oder auch die Etablierung Agroforstsystemen. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass die weitere Abnahme der Tierbestände weiter voranschreiten wird und somit weiterhin zu einer CO2-Reduktion führt. Ebenso werden die Biogasanlagen weiter ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten.
Darüber hinaus hat das Land Schleswig-Holstein das Aktionsprogramm biologischer Klimaschutz beschlossen. Hier soll u.a. durch eine grundwassernahe Moorbewirtschaftung, die Emissionen aus der landwirtschaftlichen Bodennutzung in Schleswig-Holstein bis 2030 weiter reduziert werden.
Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden Links:
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen. Sollten noch weitere Fragen auftauchen, stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Cornelia Schmachtenberg