Zweimal neutral. Warum?
Lieber Herr Quring, zweimal haben Sie beim Kandidierencheck mit der quasi-Enthaltung geantwortet. Zufällig bei den selben Fragen wie ich: Neue Wehrpflicht und Pflichtarbeit für Stellenablehnende. Da Sie für mich ernsthaft als Kandidat in Frage kommen, wüsste ich gerne mehr zu Ihrer Position in diesen Punkten. Vielen Dank.

Guten Tag Herr S., eine Pflicht zum Wehrdienst widerspricht dem Prinzip der Selbstbestimmung und könnte als Einschränkung der persönlichen Freiheit gesehen werden. Die Wiedereinführung erfordert hohe Investitionen in Kasernen, Ausrüstung und Ausbildung. Eine Berufsarmee ist meist effektiver, weil Soldaten langfristig ausgebildet und spezialisiert werden können. In einer modernen, technisierten Kriegsführung sind spezialisierte Fachkräfte wichtiger als große Soldatenmengen. Unabhängig davon könnte die Wehrpflicht unpopulär sein und Widerstand in der Gesellschaft hervorrufen.
Zur Beantwortung der zweiten Frage sehe ich einen Eingriff in die Freiheit und Würde des Betroffenen, zumal wenn die verpflichtende Arbeit gegen den Willen des Einzelnen erfolgen würde. Im Übrigen schützt Artikel 12 des Grundgesetzes vor Arbeitszwang (Berufsfreiheit). Wer entscheidet denn, ob eine Stellenablehnung gerechtfertigt ist? Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Menschen in unfaire oder unpassende Jobs gedrängt werden. Reguläre Jobs könnten durch Pflichtarbeit verdrängt werden, wenn Kommunen oder Unternehmen günstige Arbeitskräfte nutzen. Statt fair bezahlter Arbeit würden Ersatzjobs geschaffen, die den Niedriglohnsektor untergraben. Die Verwaltung und Kontrolle eines Pflichtarbeitssystems wäre teuer und bürokratisch aufwändig. Die Kosten könnten am Ende höher sein als der Nutzen.