Sehen Sie eine Benachteiligung kinderreicher Familien im Renten-, Sozialversicherungs- und Steuersystem?
1. Rente: Kinderreiche Familien investieren weit überproportional in die künftigen Rentenversicherungszahler, können aber aufgrund der zusätzlichen arbeitsbelastung weniger für die eigene Rente zusätzlich vorsorgen. Die Kinder zahlen dafür später viel mehr Renten für jetzt gut verdienende Kinderlose, statt für die eigenen Eltern.
2. Sozialversicherung: Großfamilien zahlen ebenso viel Sozialversicherung wie kleine Familien, obwohl auch hier deren Leistungsfähigkeit, wie schon bei den Renten vermindert ist. Die Differenz von Familien mit Kindern gegenüber konderlosen ist allgemein zu klein.
3. Steuer: Vergünstigungen werden zum größten Teil über Steuernachlässe geregelt. Dadurch wird die Förderung für Kinder reicher Familien gewährlistet und für Kinder ärmerer Familien gekappt. Eine Umstellung auf eine gleiche Geldleistung für jedes Kind wäre gerechter und effizienter.
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Guten Tag Herr B.,
da ich mit 12 Geschwistern aufgewachsen bin, kenne ich die Schwierigkeiten die Sie ansprechen. Ich kenne die Nachteile bei der Rente ebenso wie die Vorteile bei der Krankenversicherung. Bei der Sozialversicherung wollen wir, dass für alle Einkommensarten Beiträge gezahlt werden. So können bei gleicher Leistung die Beitragssätze sinken.
Alle Kinder sind gleich viel wert. Deshalb lehnen wir Regelungen die über Steuervergünstigungen laufen ab. Diese führen, wie sie richtig sagen, zu einer Bevorteilung von höheren Einkommen.
Bei der Rente handelt es sich um einen Generationenvertrag. Die jeweils aktive Generation zahlt für diejenige im Ruhestand. Das Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung hat sich bewährt. Das wollen wir beibehalten. Durch Kinder bedingte, geringere Einzahlungen sollen durch Steuerfinanzierte Anteile ausgeglichen werden.
Die Beteiligung der Kinderlosen an den Kosten von Erziehung und Bildung der nachfolgenden Generation kann aus unserer Sicht am besten über die Steuerpolitik geregelt werden.
Die gesetzlichen Regelungen müssen insgesamt sicherstellen, dass Kinder kein Armutsrisiko sind.
Unten noch ein Text der Gruppe im Bundestag zur Familienpolitik.
Mit den Besten Wünschen
Jürgen Locher
Familienpolitik
Themenpapiere der Gruppe Die Linke
Seit dem Regierungswechsel von der großen Koalition zur Ampel hat sich auch weiterhin in der Familienpolitik wenig getan. Große Versprechungen wurden zu Beginn gemacht, umgesetzt wurde bisher nichts. Familien befinden sich weiterhin unter enormem Druck, nicht nur durch die unterschiedlichen Krisen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben.
Der Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten hinkt weiterhin den Erfordernissen hinterher. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann durch freiwillige Verpflichtungen der Arbeitgeber nicht gewährleistet werden. Niedrige Löhne und Arbeitslosigkeit haben Familien-, Kinder- und Jugendarmut zur Folge. Besonders dramatisch ist die Situation von alleinerziehenden Müttern und Vätern, die sich im Hartz-IV-Bezug befinden.
Familien brauchen gesellschaftliche Unterstützung und soziale Sicherheit. Die Politik der Bundesregierung bewirkt aber das Gegenteil. Durch den anhaltenden Sozialabbau steigen die finanziellen Belastungen der Familien. Für Kinder und sich selbst bleibt kaum Zeit. Zwar ist das Familienbild der aktuellen Bundesregierung deutlich offener gegenüber anderen Familienformen, dennoch wurden die Reformen, um die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen zu verbessern, verschlafen. Besonders durch die Coronakrise sind viele Familien wieder in alte Rollenaufteilungen zurückgefallen, dieser Trend muss gestoppt werden.
Die Fraktion DIE LINKE steht für eine moderne, zukunftsweisende und krisensichere Familienpolitik. Familie ist dort, wo Menschen füreinander soziale Verantwortung übernehmen – unabhängig von Trauschein und sexueller Orientierung. Familienpolitik muss allen Menschen, insbesondere in den bisher unterprivilegierten und unterversorgten Gesellschaftsschichten, ermöglichen, ein gutes und zukunftsangstfreies Leben zu führen. Dafür brauchen wir in der Familienpolitik einen Ausbau der Infrastruktur, eine wirkungsvolle soziale Absicherung und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Daher sind die wichtigsten Forderungen der Fraktion DIE LINKE:
- Eine gebührenfreie öffentliche Kinderbetreuung für Kinder aller Altersgruppen. Eltern brauchen Betreuungseinrichtungen, die flexible Öffnungszeiten haben, damit eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet ist. Zudem ist die rechtliche und finanzielle Grundlage für ein flächen- und bedarfsgerechtes ganztägiges Schulangebot zu schaffen.
- Wir wollen Arbeitszeitmodelle, die Müttern und Vätern ermöglichen, ihren Beruf mit Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Statt einer Flexibilisierung von Arbeitszeit, die sich lediglich an betrieblichen Erfordernissen orientiert, brauchen die Beschäftigten mehr Zeitautonomie.
- Wir fordern einen 28-tägigen Elternschutz für den zweiten Elternteil nach Geburt des Kindes.
- Das Ehegattensplitting wollen wir durch familienfreundliche Steuermodelle ersetzen, wobei das nicht ausgeschöpfte steuerliche Existenzminimum zwischen Eheleuten bzw. Lebenspartner:innen übertragbar sein soll.
- Unterhaltsvorschuss, Kindergeld und Elterngeld dürfen nicht auf Transferleistungen angerechnet werden.